Fertigfutter vs Selbstmischen

Das mache ich dann wenn ich mehr Infos zu den einzelnen Sorten habe (btw- gilt das dann nicht als Werbung oder ists in einer Grauzone?)
 
Du sprichst keine explizite Kaufempfehlung aus.
Es ist kein "oh, was für ein Supertolles Futter, das müsst ihr euch unbedingt auch kaufen!".
Sondern es reiht sich dann nur in die Liste ein, die Du weiter oben schon gepostet hast.
Von daher kein Problem. (Du verdienst vermutlich selbst durch die Nennung auch nichts ;-) )
 
Ja, das klingt logisch. Ich melde mich dann wieder mit einem Update sobald ich Näheres weiß. ( der Link zum Katalog (da sind alle Nährstoffmengen aufgelistet), im Idealfall Zutatenlisten der "Mäusefutterarten", die kleinsten Bestellmengen und vielleicht sogar eine ungefähre Preislage für die genannten Futter)- oder geht das schon wieder zu weit? *schäm*
 
darfst Du alles nennen, wenns nicht irgendwie einer Geheimhaltung unterliegt.
 
Was mir in dem Zusammenhang als Frage aufkommt: Ist die Ernährung mit Pelletfutter bzw. definiertem Futter nicht totlangweilig für die Mäuse? Was ist mit den Geschmacksnerven der Maus? Bei meinen Mäusen ist mir beispielsweise aufgefallen, dass sie eine Art Gewöhnungseffekt für Dinge entwickeln, die sie öfter bekommen, ein Beispiel: gab es lange keine Breiparty, sind sie ganz wild darauf und man kann zusehen, wie der Brei weniger wird. Bekommen sie zwei Tage hintereinander welchen, ist er relativ uninteressant und wird nicht so wild gefuttert. Offenbar gibt es auch bei Mäusen ein Verhalten wie beim Menschen, frei nach dem Motto "wer will schon immer Sahnetorte essen". Der Effekt von uniformem Futter oder Pellets ist wohl in erster Linie darauf zurückzuführen, dass eben keine Auswahlmöglichkeit besteht und alles gleich schmeckt. Ich halte es daher durchaus für angebracht, dass der Halter eben diese Abwechslung beim Futter generiert und die Mäuse dadurch "glücklicher" sind.
 
Eins ist klar- Pelletfutter ist kein Spaß-oder Beschäftigungsfutter. Heißt also für den Halter, dass er anders dafür sorgen muss, dass es seinen Fellis nicht langweilig wird. Und das fängt schon bei der Darreichungsform an (wenn man raus hat wie viel die Gruppe ca. verbraucht). ;-)
Abgesehen davon spricht (zumindest für mich) nichts dagegen dann die Leckerlis- oder auch mal Brei, wenn die Fellis drauf abfahren- entsprechend zu variieren.
Und eins darf man nicht vergessen- bei einem Hype muss ich sofort an einen Mangel denken. Sicher, dass deine Fellis mit dem derzeitigen Futter mit allem versorgt sind und sie nicht vielleicht so auf den Brei abfahren (wenn am 2ten Tag schon kaum mehr was gefressen wird spricht das schon sehr dafür, meiner Meinung nach. A la "wieso hat der gestern nochmal so gut geschmeckt?" Bei meinen Fellis, wenn ich Brei angeboten habe, war der Verbrauch eigentlich immer gleichbleibend) weil sie da wieder einen bestimmten Nährstoff, der ihnen "fehlt", kurzzeitig auffüllen können?
 
Last edited:
Sry für den Doppelpost.
Ich habe mir ein paar Gedanken gemacht und ich denke die Tatsache ob oder ob Mäuschen das Privileg der (ich nenne es jetzt mal ) "eingeschränkt freien" Futterwahl hat, ist viel zu sehr vermenschlicht.
Sehen wir uns die Abstammung unserer Farbmäuse an, (generationstechnisch bei den meisten) ferner die Hausmaus. Ich fürchte die muss das fressen was sie bekommen kann- und wenn das zeitweise oder vielleicht auch auf Dauer nur Weizen, Hafer, Hühnerfutter oder Brot ist dann wird sie das nicht verschmähen. Trotz der kurzen Lebensspanne in freier Wildbahn denke ich, dass Mangelerscheinungen fast normal sein werden.
Die viel näheren Vorfahren sind die Labormäuse und auch die werden kaum eine Wahl gehabt haben was das Futter angeht.
Also wieso sollte plötzlich in den Heimtiergenerationen der tiefgreifende Wunsch in den Tieren aufkommen, dass sie aus x verschiedenen Futterarten wählen möchten?
Eine Sache ist natürlich klar- energiereich und arbeitsarm wird intuitiv immer vorgezogen werden. Stellt sich die Frage ob das dem Futter, welches aus sehr vielen Einzelkomponenten besteht, nicht zum Verhängnis wird.
 
Jein - die Nahrung hat ja auch Einfluss auf alle Lebensbereiche der Maus, ich hatte irgendwo einen absolut interessanten Artikel, dass beispielsweise die Vermehrung der Mäuse = Wildmäuse (war in Australien sogar :D ) von Wachstumsbedingungen und Angebotsmenge von bestimmten Pflanzen ausgelöst wurde. Mal kramen...

Meine Mäuse: Mangel ist es nicht, die "Gier" ist bei denen auch geringer, wenn es 2 Tage hintereinander Kokosmilch gibt, also nicht nur auf Brei bezogen. Bei Melone habe ich dasselbe erlebt. Tag 1: alle sofort ran an das Schmankerl, gabs ja lang nicht?! *Vogelzeig* Tag 2 wurde es jeweils zurückhaltender genommen, das Verhalten ist also nicht "breispezifisch".
 
@Mousyperson: Ich sage ja nicht dass die Wildmäuse sich unter den Bedingungen rasant vermehren würden (ich nehme an dazu muss ein gewisses Sicherheitsbedürfnis erfüllt werden, es darf sicher auch nicht extrem warm oder kalt sein sowie energetisch annehmbares Futter vorhanden sein)- ich wollte sagen sie wandern sicher nicht ab nur weil sie für einen längeren Zeitraum mal nur 1 Futterquelle /-art haben. So nach dem Motto "ich kann das Hühnerfutter/den Weizen nicht mehr sehen, komm wir versuchens wo anders."
Die Studie wäre interessant (wenn du sie wieder findest)
Vielleicht ist deinen langweilig und deshalb freuen sie sich so sehr über Abwechslung?
Wäre auch eine Erklärung für den Interessenschwund.


Ich denke jetzt habe ich genug Infos zusammen um das Labortierfutter mal vorzustellen und die Bedingungen für Privatpersonen. =)
Hier gibts den Link zum Katalog (auf englisch), auch eine Liste mit den Katalogseiten als pdf auf deutsch. Spezifikationen (Standarddiäten)*-*Altromin Spezialfutter GmbH & Co. KG Dort kann man haarklein die Nährwerte für die einzelnen Futter einsehen.
Für Mäuse sind insgesamt 9 verschiedene Futter genannt- davon 5 Haltungs- und 4 Zuchtfutter. Ein Haltungsfutter fällt allerdings raus, da die Mindestabsatzmenge 1Tonne ist *umkipp*
Bleiben also noch 4 Zucht- und 4 Haltungsfutter:

#1310 Zuchtfutter für Ratten/Mäuse -> 145,35 EUR per 100kg -> 18,17EUR für 12,5kg
#1310P Zuchtfutter für Ratten/Mäuse phytoöstrogenarm -> 150,85 EUR per 100kg -> 18,86EUR für 12,5kg
#1320 Haltungsfutter für Ratten/Mäuse -> 121,60 EUR per 100kg -> 15,20EUR für 12,5kg
#1320P Haltungsfutter für Ratten/Mäuse phytoöstrogenarm -> 127,10 EUR per 100kg -> 15,89EUR für 12,5kg
#1810 Zuchtfutter für Mäuse -> 145,35 EUR per 100kg -> 18,17EUR für 12,5kg
#1810P Zuchtfutter für Mäuse phytoöstrogenarm -> 150,85 EUR per 100kg -> 18,86EUR für 12,5kg
#1820 Haltungsfutter für Mäuse -> 121,60 EUR per 100kg -> 15,20EUR für 12,5kg
#1820P Haltungsfutter für Mäuse phytoöstrogenarm -> 127,10 EUR per 100kg -> 15,89EUR für 12,5kg

Ihr seht schon, die Preise sind auf 12,5kg herunter gerechnet- das ist für Privatpersonen die kleinste Abnehmgröße- in kleineren Mengen füllen sie es leider nur für Institute ab.
Preistechnisch top- könnte sich also lohnen wenn sich ein paar Halter zusammen tun würden und die 12,5kg unter sich aufteilen.
Alle der hier gelisteten Futter sind 10mm Vierkant-Pellets.
Leider ist die Zutatenliste geheim, allerdings spricht sehr viel für eine hohe Qualität und dass man den Produkten dennoch vertrauen kann.
Es werden keine Tier-oder Fischmehle sowie Alfalfa verwendet, es ist nitrosaminarm (Nitrosamine sind als krebsauslösend eingestuft).
Das Futter ist, wenn es kühl, trocken und die Pellets lichtgeschützt gelagert werden, nur 9 Monate haltbar was für mich auch ein Qualitätsmerkmal ist. Denn es impliziert dass das Futter nicht mit Konservierungsmitteln "vollgestopft" ist.
Wer überlegt Futter einzufrieren, bitte nicht machen, da dadurch mindestens Vitamin C verloren geht und man sich mit Labortierfutter keine Futter-/ Tierschädlinge einfangen sollte. Das wäre sehr rufschädigend.
Zahlungskonditionen: bei der ersten Bestellung wird auf Vorkasse bestanden.
Wer bestellen will die Firma einfach über die Homepage kontaktieren.

Einige der Pellets könnten auch für Rennmäuse geeignet sein, ich habe bei meiner Recherche herausgefunden, dass sie ziemlich dieselben Nährstoffbedürfnisse haben wie Farbmäuse/Ratten. ;-) (auf deutsch)
http://www.gv-solas.de/fileadmin/user_upload/pdf_publikation/Ernaerung/ern_fuetterung_rennmaus.pdf
(auf englisch, ab Seite 153 kommen Mongolische Rennmäuse, das pdf kann man kostenlos downloaden)
Front Matter | Nutrient Requirements of Laboratory Animals, Fourth Revised Edition, 1995 | The National Academies Press
The stomach of the gerbil is simple and the cecum and colon are not especially well developed, suggestive of a species that in
nature consumes mostly low-fiber foods such as seeds (Gulotta, 1971; Vorontsov, 1979). Gerbils generally have had acceptable growth
and reproduction when fed pelleted natural-ingredient diets formulated for other rodent species such as rats, mice, and guinea pigs.
Sometimes supplementary cereals and/or seeds have been used but these are not necessary (Marston and Chang, 1965; Arrington, 1968;
Loew, 1968; Rich, 1968; McManus, 1971, 1972; McManus and Zurich, 1972; Norris and Adams, 1972).

Würde ich in D wohnen und hätte Farb-oder Rennmäuse, ich würde die Futter ausprobieren :D
 
Leider ist die Zutatenliste geheim
Würde ich in D wohnen und hätte Farb-oder Rennmäuse, ich würde die Futter ausprobieren
ernsthaft?
Nur weils in den einzelnen Bestandteilen eben aufgedröselt ist und deswegen ideal zu sein scheint?
Aber sonst weiß man nix darüber?
Das kann also faktisch nur ein Resultat aus chemischen Pülverchen sein...

Das ist doch Abstraktion in Perfektion.

ne. Da hab ich (ist wohl im rstlichen Threadverlauf klar geworden) andere Ansprüche an Ernährung (die evtl auch nur rein subjektiv sind und wissenschaftlich nicht untermauert).
Wenn ich für mich selbst Maggi Pulver zum Anrühren meiner BologneseSoße verwerfe (stellvertretendes Beispiel für Convinience-Produkte), will ich nicht meinen Tieren sowas anbieten.

Die Natur hat bis jetzt gut funktioniert. Ich sehe keine Notwendigkeit, da auf Pülverchen und Krümelchen aus dem Chemielabor zurückzugreifen.
und wenn Mäuschen in wilder Natur verschiedenste Saaten und Gräser und Wurzeln finden und fressen, dann ist das wohl nicht die schlechteste Sache.

wieder der menschliche Vergleich:
ich hätte keinen Bock, auf chemisch hergestellte Riegel, von denen ich morgens, mittags und abends einen essen soll, damit ich ideal versorgt bin.

und auch der tierische Vergleich:
was wird nicht in Zoos alles unternommen, um den Viechern Abwechslung in der Ernährung zu bieten. Unterschiedlichste Bestandteile in den unterschiedlichsten Darreichungsformen.
Gut, evtl wird da mal ein Supplement drüber gestreut, weil nachweislich ein Mangel vorliegen kann.
Aber es wird nicht das Futter als Erlebnisfaktor gestrichen und durch optimale Press-produkte ersetzt.

Sorry, Binchen, Du gehst da so engagiert ran und versuchst so viel.
Aber Du kannst mich einfach nicht gewinnen ^^ Das ist mir zu theoretisch und zu abstrakt. Das hat -für mich - nichts mehr mit realem Leben zu tun.
 
@Lumi: (hab noch gar nicht zuende gelesen, aber schau mal - das ist keine "purified diet" sondern "natural ingredients diet" ;-))
Siehe hier auf der HP: Standarddiäten - Altromin Spezialfutter GmbH & Co. KG

Standarddiäten sind Alleinfuttermittel für die Zucht und Haltung von Versuchstieren, bestehend aus cerealischen Rohstoffen. Die Produkte beinhalten Rohstoffe aus Mais, Weizen und Soja sowie zugelassene Zusatzstoffe wie Vitamine, Mineralien und Spurenelemente.

Du regst dich also umsonst auf *heilig*
 
(Mist, zu spät. Mein ganzer schöner Text ist weg... )

Zum Thema Zootiere:
Ich denke die Zoos haben folgende Probleme- sie haben (von den Streichelzoos etc. abgesehen) undomestizierte Wildtiere mit enormen platztechnischen Bedürfnissen, denen sie (auch in den noch so großen Gehegen) nicht gerecht werden können. Man denke nur an die Herdenwanderungen von diversen großen Säugetierarten, Vögeln, die jeden Tag viele Kilometer zurück legen (das sehe ich gerade sehr eindrücklich an den Papageien und macht mich traurig wenn ich an die ganzen Tiere denke, die ihr Leben in Volieren fristen müssen- und die können noch so groß sein!) usw.
Was bleibt also um den Tieren zumindest ein bisschen in ihrem natürlichen Bedürfnis entgegen zu kommen? Das Futter. Sie sollen es sich zumindest ansatztechnisch so wie in freier Natur erarbeiten können und es sollte an die natürliche Nahrung erinnern. Aber ich bezweifle sehr dass man auch dort über die Ansätze hinaus kommen wird.
Ich habe schon in einem Zoo (vor viiiielen Jahren ein Praktikum gemacht), da wurde überall mit Vitamin- und Mineralstoffpülverchen gearbeitet weil man genau wusste, dass es mit der (ich sag mal) "naturnachempfundenen" Ernährung alleine zu Mangelerscheinungen kommen würde.

In der Heimtierhaltung sieht die Sache schon ganz anders aus. Wir haben es (normalerweise) nicht mehr mit Wildtieren zu tun sondern mit domestizierten Tieren, dessen Platzbedürfnisse nur noch ein Bruchteil dessen sind, was die Wildtiere für sich beanspruchen- und benötigen.
Und auch sonst lernen wir immer mehr was für Bedürfnisse die verschiedenen Arten wirklich haben.
Platztechnisch haben wir die Möglichkeit den Tieren viel mehr entgegen zu kommen als Zoos. Wir können ihnen sogar immer wieder ermöglichen, dass sie neue, unbekannte Gebiete erforschen können. In Zoos ist das nur sehr beschränkt- wenn überhaupt- möglich. Wenn ich an Fufu und Punkratz denke, vielleicht sind dort die Platzbedürfnisse sogar ganz erfüllt.
Wir können den Tieren Abwechslung bieten- geruchstechnisch aber auch inventartechnisch usw. Dem sind fast keine Grenzen gesetzt.
Und als i-Tüpfelchen können wir ihnen auch das Futter so anbieten, dass sie dafür arbeiten müssen.
(wieder eine kleine Exkursion zu den Wildtieren)
Ich denke die wildlebenden Verwandten unserer Tiere sind mehr mit der Futtersuche und dem Futterauftreiben an sich beschäftigt als zu evaluieren was als erstes gefressen wird. So dass am ehsten alles, was als erstes gefunden wird und fressbar ist, auch gefressen wird. Danach wird die Suche fortgesetzt usw. Daher denke ich wirklich, dass es zweitrangig ist WAS gefressen wird, der Schwerpunkt liegt eher auf der Beschaffung.

Soweit jedenfalls meine Meinung dazu. *heilig*
 
Meinen Mäusen ist ganz sicher nicht langweilig, dass sie als einzige Bespaßung nur das Futter hätten. Ich bin jedenfalls der festen Überzeugung, dass es die "Raritäten-Wirkung" ist, die da zum Tragen kommt. Vergleich: wenn unsereins z.b. am Büffett auswählen kann, da gibts auch so Sachen, die immer zuerst weg sind ;-) - da ißt Du auch eher etwas nicht alltägliches und nimmst nicht das, was Du auch zu Haus im Kühlschrank hättest.

Hier ist der Artikel (PDF) zu finden:
Food and Reproduction of Wild House Mice

Interessant finde ich auch die erwähnten Zusammenhänge zwischen der Hauptvermehrungszeit und dem Reifegrad der Saaten. Hierzu: Milchreife= Alle Körner haben ihre endgültige Größe erreicht. Korninhalt milchig, Körner noch grün
 
@Mousyperson: Dann bin ich wohl eine Ausnahmeerscheinung, ich bin skeptisch gegenüber allem Neuen und bleibe- wenn es denn hat- bei den Sachen, die ich mag. Und wenn mein Lieblingsessen oder Favoriten vorhanden sind, wieso sollte ich dann was Anderes probieren, das mir vielleicht gar nicht schmeckt? *bätsch*

Paper: Das bestätigt absolut meine Annahme. Hausmäuse, die keine feste Futterquelle haben (von diversen Tierfuttern, Getreidelagern, Menschen"futtern" etc. mopsen), die fressen genau das was sie finden. Und wenn das zeitweise auch "earthworms" (Regenwürmer!) sind. Sie müssen eben schauen, dass sie genug Energiereiches zu fressen finden um zumindest den Erhaltungsenergiebedarf zu decken. Ganz logisch also dass sie erst dann mit der Vermehrung beginnen wenn sie über ihren Erhaltungsbedarf fressen können. Nur dann können Muttertier und die Jungtiere auch wirklich überleben.

Ich habe über Degus ein interessantes Paper gelesen, vor allem denke ich, dass sich das Verhalten was Selektion angeht, auch auf andere Tierarten übertragen lässt.
Als Hintergrundinfo, Degus sind an sehr karges, pflanzliches Futter angepasst, wie Kaninchen, Meerschweinchen und Chinchillas auch.
Hat man ihnen im Versuch aber energiereiches Futter ( Mais,Weizen, Erdnüsse, Sonnenblumenkerne) oder verarbeitetes Futter (Grünmehlpellets, Erbsenflocken, Möhrenflocken, Weizen gepoppt, Mais gepoppt, Haferflocken) angeboten, so zeigt sich eindeutig eine Tendenz, dass energiereiches Futter dem für sie gesunden, artgerechten, energiearmen vorgezogen wird. Im Vergleich energiereich unbearbeitet und energiereich verarbeitet wird eindeutig das Verarbeitete vorgezogen (vermutlich wegen der leichteren Verfügbarkeit der Stärke).
(ab Ende Seite 73 (83 im Link) kommt die Auswertung des Futteraufnahmeverhaltens)
http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/hommeld_ws12.pdf
Wieso ich das erwähne? Weil ich denke, dass dieses Selektionsverhalten auch auf Mäusearten zutrifft.
Und wenn man den Tieren selektierbares Futter anbietet wierden (so vermute ich) zuerst die energiereichsten (und am leichtesten zu fressenden) Komponenten gefressen wie Flocken, Pops aber auch Fettsaaten, Nüsse (so vorhanden) und eher nicht querfeldbeet was ihnen gerade vor die Nase kommt. Denn sie wissen, dass immer genug Futter da ist- sogar so viel, dass noch etwas über bleibt. Also können sie ganz gezielt selektieren nach ihrer eigenen Prioritätenliste, welche ihnen instinktiv vorliegen wird.
Problem ist aber, dass fast nie alle Mäuse gleichzeitig beginnen zu fressen und auch wenn man das Futter weiträumig verstreut wird teils gezielt gesucht (das konnte ich bei meinen Fellis beobachten!) und auch mal andere Tiere, die dort schon am Fressen sind, verscheucht. Fazit: es wird immer Tiere geben, die zu kurz kommen und die Gefahr mangelhafter Ernährung ist (meiner Meinung nach, auch bei dem nährwerttechnisch ausgewogensten Futter) gegeben. Was aber (theoretischerweise, meiner Meinung nach auch praktischerweise) mit unserer Verantwortung den Tieren ein gesundes Leben (und keinen Schaden, auch nicht durch unausgewogene Ernährung) zu bereiten nicht übereinstimmt. Nicht wenige haben auch einen Schutzvertrag unterschrieben, auf dem dies erwähnt wird.
Wenn wir nicht wüssten (oder zuwenig erforscht wäre) was die einzelnen Arten an Nährstoffen benötigen, dann wäre es selbstverständlich, dass man ihnen versucht das Futter möglichst der Natur nachzuempfinden. Denn es gibt keine Alternative.
Aber mit dem Wissen, das wir haben... da kann jetzt jeder für sich selbst die passenden Schlüsse ziehen. ;-)
Wem das zu extrem ist, so bin ich eben. *bätsch*
 
Was in der Dissertation völlig unbetrachtet geblieben ist und was ich als absolutes Manko ansehe: wie die Zusammensetzung des Heus aussah, d.h. welche Gräser enthalten waren und welche durchschnittlichen Anteile, auch z.B. mit Ähren/Rispen, auch fehlen dadurch reale Nährwertvergleiche, es ist nicht mal angegeben, wieviel KH-EW-FE im Schnitt, dadurch ist der Bezug zu den Gewichtsvergleichen der Tiere auch sehr sinnlos. Leider ist nur der Bezug Rohfaser angegeben *motz* Und je nach Grassorte und Gehalten ist auch der Futterwert ein komplett anderer, nur mal fürs Heu. Außerdem stellt das Heu die größte Abwechslung in dieser Versuchszusammenstellung dar, denn es ist vielfältiger und abwechslungsreicher zusammengesetzt als die anderen angegebenen Alleinfuttermittel. Für mich ist es kein Wunder, dass das Heu sozusagen ganz vorn in der Beliebtheit rangiert hat :D

Hier gibts übrigens eine gute Zusammenstellung der häufigsten Futtergräser mit Bestimmung Gräser und Futterwert als PDF
Bildtafel zur Gräserbestimmung mit Hinweisen zur Beurteilung des Futterwertes von Grünlandbeständen, Ausgabe 2012
 
@Mousyperson: Ich schätze mal die genaue Zusammensetzung und der Nährstoffgehalt des Heus war für den Versuch nicht wichtig. Er sollte nur zeigen wie die Prioritätsverteilung bei verschiedenen Futterangeboten und deren Verarbeitungsgrad ist ohne die Sache arg viel weiter aufzudröseln. ;-)
Ist ja doch eher ein Offtopic wenn man bedenkt dass die meisten Mäusearten nur wenig (wenn überhaupt) an zellulosereiches Futter angepasst sind. *heilig*
 
Noch ein kleiner Nachtrag zum Altromin-Futter:
Es muss nicht im Lager abgeholt sondern kann versendet werden- bis 31kg kostet es 8€ Versandkosten plus 3€ Verpackungsgebühr. =)
 
Hier kann ich jetzt im Eigenversuch (bzw. mit eigenen Fellis) erste Erkenntnisse berichten.
Da von den 14 Fellis 11 noch mit ca. 2 Monaten halbwüchsig sind bekommt die ganze Brigade Labortierpellets für Ratten und Mäuse unter Zuchtbedingungen.
Ich war überrascht wie gut die angenommen wurden (vom augenscheinlich selbstgemischten Körnerfutter weg)- obwohl ich über den Bedarf gebe wird sich täglich auf die neuen Pellets gestürzt, sich sogar darum gekloppt bei den Mädels.. *Vogelzeig*
Und das jetzt bei den Mädels auch noch nach einem Monat (die Jungs sind erst 2 Wochen da).
Erstaunlicher Nebeneffekt, den ich beobachte, ist, dass die adulte Rotscheckin, die ziemlich moppelig ankam mittlerweile (trotz dass sie frisst wie ein Scheunendrescher und es zum Blickenlassgewöhneffekt noch reichlich Oblate gibt, sie ist augenscheinlich topfit) deutlich an Gewicht verloren hat. Sieht schon fast normal aus, nur im Nacken und am Po hat sie noch kleine Pölsterchen. *heilig* Und das trotz höher kalorischem Futter als ich ausgewachsenen Farbis geben würde (die Umstellung kommt dann in 2-3 Monaten).
Ich bin schon sehr gespannt wie es weiter geht.
Zu Beschäftigungszwecken gibts gerade täglich einen Bund Grasrispen aus dem Garten und anderes "Gartengrünzeug". Das finden sie ganz klasse *heilig*
 
Last edited:
Achtung, Ketzer anwesend... :D

ERSTENS

Ich hatte am WE eine nette und sehr interessante Unterhaltung mit einem Verkäufer für Laborfutter. Der hatte da einen ganz netten Punkt, den ich auf den ganzen letzten 8 Seiten nicht gefunden habe: Laborpellets sind Normfutter. Entwickelt für eine einzige Art (meistens Farbmäuse). Er züchtet selbst Futtertiere und hat hier auch seine Pellets im Einsatz. Allerdings sagt er ganz klar: Die Produktivität der Tiere nimmt signifikant ab, wenn er VZM mit Farbmaus-Laborpellets füttert. Sind also wohl dann doch nicht so optimal. Auch logisch. Ist ja ne andere Art und hat damit andere Ansprüche.
Was schlägt die Pelletfraktion also für all die Mäusearten vor, für die es keine Pellets gibt? Doch wieder schreckliche Mischungen?

ZWEITENS
Das Thema Selektion kam ja schon zur Sprache. Um mich vom Menschen zu lösen, habe ich mir mal Chinchilla und Degu angeschaut, weil die Halter da viele spannende Sachen machen. Hier wurde v.a. beim Chin früher ja extrem auf Pellet geschworen. Das ist inzwischen zu guten Teilen abgeschafft. Gott sei Dank, kann man nur sagen.
Halter beobachten nämlich spannende Sachen: Die Tiere selektieren ihre Nahrung nach Aktivitätslevel, aktuellem Bedarf und medikamentieren sich mitunter sogar selbst über ihre Nahrung. Sehr fasziniert hat mich beispielsweise eine Chingruppe, in der EIN EINZIGES Tier Efeu frisst - und zwar just das Herzkranke.
Daher mein Schluss: Es kann nicht das Ziel sein, ein Futter zu kreieren, das möglichst komplett gefressen wird, sondern eines, das die Wahlmöglichkeiten bietet, damit die Tiere ihre Ernährung auf den tatsächlichen Bedarf anpassen können. Hier ist dann zu schauen, dass die Auswahl zur Art passt, damit keine grobe Fehlselektion stattfinden kann (z.B. das erwähnte Chin mit Getreide).
Oder mag mir die Pelletfraktion erklären, wie Tiere bei Pellets selektieren sollen?

DRITTENS

Krankheiten ... Ernährung ist hier ein wichtiger Faktor. Das bestreite ich als zertifizierter Ernährungsberater gar nicht. Aber sie ist nicht der Einzige und um mal ein menschliches Bild zu entwerfen: Eine Pülverchendiät macht auch nicht unbedingt gesünder, obwohl es durchaus hochwertige Pulver (bei Mäusen eben Pellets) gibt, die alle Normbedarfe abdecken. Das Problem, das ich an der Normbedarfsfütterung sehe, ist, dass da Normfutter in die Normmaus mit einem Normstoffwechsel geht. Wenn ich Euch eins ganz sicher sagen kann dann: Den Normstoffwechsel gibt es nicht! Ihr könnt die perfekten Pellets in die Mäuse kippen. Wenn Ihr keinen Normstamm aus dem Labor habt, wird NIE bei jeder Maus derselbe Level an Nährstoffen zur Verwertung in den Organismus aufgenommen werden.
Deshalb ist es sinnlos, ein derart abgezirkeltes Futter als Goldstandard prämieren zu wollen. Kann hervorragend funktionieren. Kann aber auch bös in die Hose gehen. Ob die (Farb)Mäuse davon also gesünder werden, hängt u.a. davon ab, wie der Stoffwechsel zum Futter passt.
Und wie, liebe Pelletfraktion, stellt Ihr genau das sicher? Also, dass auch wirklich in der Maus ankommt, was Ihr rein kippt?

VIERTENS

Blöde Frage: Hat sich mal wer umgeschaut, ob für den Nagerstoffwechsel CA:P dasselbe sein muss?
Generell hab ich hier das Gefühl, dass Menschenwerte ab und zu 1:1 auf Mäuse übertragen werden.


FÜNFTENS

Was ist eigentlich mit der Tatsache, dass eine artentsprechende Ernährung NIE optimal ist? Ich zumindest würde mich nicht dazu versteigen zu sagen, meine Tiere sind jeden Tag perfekt mit jedem einzelnen Baustein versorgt.
Dafür hat der Körper wie beim Menschen Speicher. Er braucht nicht immer alles. Er braucht es nur so regelmäßig, dass er die Speicher bei Bedarf wieder auffüllen kann. Muss also das Ziel eine möglichst komplette, tägliche Versorgung sein?
Ich finde nicht. Wichtiger ist es, das Fressverhalten zu beobachten und stark frequentierte Futtermittel im Zweifel in Mengen anzubieten, dass auch der letzte Langschläfer nicht leer ausgeht.


SECHSTENS

Man sprach von der deutlich kürzeren Lebensspanne der Wildtiere. Jopp. Soweit richtig. Ob man daraus aber den Schluss ziehen kann, dass die sich eine suboptimale Ernährung deshalb "leisten" können? Die schlägt nämlich auf die Reproduktionsrate. Und die gehört bei den meisten Kleinnagern meines Wissens immer noch zur primären Überlebensstrategie. Ich lehn mich also mal aus dem Fenster und sage: Soweit sie Gelegenheit haben, fressen auch Wildtiere möglichst optimal für ihren Bedarf. Deshalb finde ich die Oriantierung am Wildtier mit Gelegenheit durchaus nicht unsinnig.


SIEBTENS

Wo es doch um artgerecht ging ... Was ist eigentlich mit dem Aspekt verhaltensgerechten Futters bzw. die Option zur Ausübung natürlicher Verhaltensweisen? Habt Ihr schon mal ne Maus Laborpellets schälen sehen? Oder nen Keimling rausfressen? Also ich nicht. Pellets schränken also mindestens das mäusische Verhaltenssprektrum ein, nicht nur die Selektion.


ACHTENS

Also wieso sollte plötzlich in den Heimtiergenerationen der tiefgreifende Wunsch in den Tieren aufkommen, dass sie aus x verschiedenen Futterarten wählen möchten?
Weil es ihnen genetisch angelegt ist. Ich habe hier auch nicht schlecht geschaut, als ich Hirschmäuse hier hatte. Seit zahllosen Generationen im Labor und entsprechend gefüttert. Hab mir mit den Tieren extra die Pellets schicken lassen, um sie langsam umzustellen. Die Idee der Mäuse dazu: Bleib wech mit den Pellets! Die hab ich dann mal bei allen Anwesenden rumgereicht und nachdem sie hier echt niemand außer den Farbis mochte, hab ich einen Gutteil weggeschmissen. Fazit: Das Bedürfnis nach Wählenkönnen geht also wohl doch nicht verloren.

NEUNTENS

Domestikation ist keine Ausrede für Pellets.


Sodele, das wars von mir. Bin dann mal wieder arbeiten. ;-)


LG Angelus
 
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